Leben und Arbeiten in Selbstverwaltung

Frühstück im Cafe, Mittagessen in der Kantine, Tanzworkshops, Kindertagesstätte, Radiosender, Druckereien, Töpferei, Fahrradwerkstatt, nur ein paar Beispiele aus der Vielfältigkeit des Gewerbehofs.

Die selbstverwalteten Betriebe und Initiativen haben sich zusammengeschlossen um gemeinsam in einem Gebäude zu arbeiten.

Durch die Förderung selbstverwalteter Strukturen und durch die Entwicklung neuer Sozial- und Arbeitsformen wollen wir eine Verbindung der heute meist getrennten Bereiche Arbeit, Soziales und Kultur erreichen.

Am Gewerbehof beteiligt sind

- Handwerksbetriebe

- Dienstleistungsbetriebe

- Cafe

- Soziale Einrichtungen

- Kulturelle Einrichtungen

Mit dem Zusammenschluss so vieler unterschiedlicher Betriebe und sozialer Einrichtungen schaffen wir den Rahmen für eine vielseitige, funktionierende Zusammenarbeit und für die Entwicklung gemeinsamer Perspektiven und Ziele.

Der Gewerbehof schafft räumliche, technische und organisatorische Vorussetzungen, um bestehende Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen.

Ausserdem bietet er Anregungen und Orientierung für Betriebsneugründungen, die auch durch konkrete Hilfe unterstützt werden.

Historie

Um die Jahreswende 1984/85 entstand die Idee in der Karlsruher Innenstadt ein Fabrikgebäude als Gewerbehof für selbstverwaltete Betriebe zu nutzen.

Ein vorläufiges Konzept der interessierten Betriebe und Inis erhielt die politische Unterstützung der SPD- Stadträtin und Europaabgeordneten Heinke Salisch.

Auch der damalige Finanzdezernent und spätere Oberbürgermeister Prof. Dr. Seiler zeigte sich der Idee sehr aufgeschlossen.

Die Planung sah vor, dass die Stadt Karlsruhe ein Gebäude erwirbt und an die Trägergemeinschaft (als Trägergemeinschaft des Gewerbehofs wurde der gemeinnützige Verein "Freiraum e.V." gegründet) verpachtet.

Erst im Januar 86 wurde ein geeignetes Fabrikgebäude gefunden.

Am 15.April 86 erfolgte die Zustimmung des Gemeinderates sowohl zum Kauf als auch zu einer städtischen Förderung und der Instandhaltung und Sanierung des Gebäudes.

Nun konnten die Vorbereitungen für die Baumaßnahmen beginnen. Mit der Planung und Durchführung zum Umbau des Gebäudes wurde die Architektengruppe ARCHIS beauftragt.

Der Finanzbedarf für den Umbau betrug 1,8 Mio DM.

Dieser Betrag wurde wie folgt finanziert:

DM 270.000 Zushuß der Stadt Karlsruhe, um die Gebäude nutzbar zu machen

DM 95.000 Zuschuß des Landesdenkmalamtes

DM 435.000 Sozialzuschuß für die Kindertagesstätte im Gewerbehof

DM 200.000 Eigenleistungen der Projekte (Samstagsarbeit) und einer Arbeitsgruppe aus dem Landesprogramm "Freiwillige Gemeinschaftsarbeit"

DM 800.000 Kredite der Sparkasse Karlsruhe und der GLS-Gemeinschaftsbank e.G. Stuttgart

Nachdem der Pachtvertrag unterzeichnet und die Finanzierung klar war, begann die Phase harter Selbsthilfearbeit.

Mietverträge mit den künftigen Nutzern wurden geschlossen und schon im Januar 87 war eine Belegungsquote der Räumlichkeiten mit 80% erreicht.

Im April 87 war es dann endlich soweit! Die ersten Betriebe zogen ein und im Mai fand ein großes Eröffnungsfest statt.

Mitte 87 gab sich der "Freiraum e.V." neue Selbstverwaltungsstrukturen, mit denen der alltägliche Betrieb des Gewerbehofs bewältigt wird.

Das monatliche Plenum aller Mieter entscheidet alle zentralen Fragen des Gewerbehofs, die von AG`s zur Entscheidung vorbereitet werden.

Seit November 87 gibt es eine bezahlte Halbtagsstelle, die für die Koordination der alltäglichen Aktivitäten verantwortlich ist.

Ein Film von Studenten des KIT aus dem Jahr 2015.